Und immer wieder das Meer

Ausschnitt aus dem Zeitungsartikel von Sabine Tholund:

Kloster Cicmar widmet dem Sylt-Maler Siegward Sprotte seine Sommerausstellung

Cismar. Im April wäre Siegward Sprotte (1913 – 2004) 100 Jahre alt geworden. Die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf nimmt den runden Geburtstag zum Anlass, dem aus Brandenburg stammenden Künstler,der hierzulande als Maler auf Sylt bekannt wurde, in der Dependance Kloster Cismar eine Retrospektive zu widmen.

Die Welt farbig sehen heißt die hervorragend aufgearbeitete Schau, die mit Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen einen lohnenden Blick auf ein höchst (abwechslungs-)reiches künstlerisches Lebenswerk bietet. Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Potsdam Museum-Forum für Kunst und Geschichte entstand, hatte im Frühjahr 2013 ihre erste Station in Sprottes Heimatstadt Potsdam, deren Ehrenbürger er war. Die hier getroffene Bilderauswahl hat Kuratorin Margret Schütte neu gegliedert und einen Rundgang konzipiert, von dem der Besucher eine Menge mitnehmen kann. Er beginnt im Obergeschoss mit einer weitgehend chronologisch geordneten Übersicht auf das Gesamtwerk des Gärtnerenkels von Sanssouci, dessen Eltern sein künstlerisches Talent bereits in jungen Jahren erkannten und förderten. Arbeiten aus der Akademiezeit hängen neben Porträts und Reisebildern, deren naturalistische Formensprache unendlich weit entfernt schein vom minimalistisch anmutenden Spätwerk. Im Erdgeschoss ist die Hängung nach Themen sortiert. Wiederkehrende Motive aus verschiedenen Schaffensperioden werden einander gegenübergestellt und sorgen für Aha-Momente.

Sprottes Ouevre umfasst eine Zeitspanne von 1928 bis 2003. Wer dem Konzept der Kuratorin folgt, kann die Entwicklung des Künstlers nachvollziehen, der zunächst nach der Natur zeichnete und malte, bis er zu einer extrem reduzierten, abstrakten Formensprache fand, mit der er seine Motive zu kalligraphischen Kürzeln verdichtete. Nur wenige Striche braucht er am Ende, um mit Tusche oder Aquarellfarbe ein Universum aus Meer, Horizont und Wolken zu skizzieren – neben der Kraft der Wellen ein Lieblingsmotiv des Künstlers.

Ersten Unterricht erhielt er bereits mit 14 Jahren, in der Ausstellung ablesbar anhand von Blumen- und Meeresbildern, die einen sicheren blick für Bewegung und Form erkennen lassen. „Später an der Akademie in Berlin ist diese Unbekümmertheit zunächst verflogen – verdrängt durch neu erlernte Techniken und Sehweisen“, so Margret Schütte. Karl Hagemeister und Emil Olrik waren hier seine einflussreichsten Lehrer. Der eine brachte ihm neben technischen Finessen die Philosophie des Pantheismus nahe, der andere machte ihn mit der fernöstlichen Formensprache vertraut – beides findet Eingang in Sprottes Werk.

Georg Tappert, der eine Schülerausstellung sah, riet ihm zu zeichnen, „mit spitzem, hartem Bleistift“. Sprotte befolgte den Rat. In der Malerei werden Dürer und Pier della Francesca seine Vorbilder. Altmeisterlich ist seine Technik, mit der er seine Porträts in unzähligen lasierenden Farbschichten aufbaut. Ende der 50er Jahre wird seine Kunst unter dem Eindruck zeitgenössischer Kollegen aber auch durch seine zunehmende Hinwendung zur fernöstlichen Philosophie freier „Bilder musst du schreiben und nicht malen“, lautete ein Satz seines Lehrmeisters Karl Hagemeister. Meditative Arbeiten aus den 90ern, in denen Meer, Horizont und Himmel durch großzügige Schraffuren angedeutet werden, reflektierten diesen Satz. In späteren kalligraphischen Blättern geht Sprotte noch einen Schritt weiter: Formal extrem reduziert, potenziert sich die Ausdruckskraft der Kürzelhaften Arbeiten, deren Titel wie Panta Rhei im Kontext der Schatten absolut sinnfällig erscheinen.