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Aditi Mangaldas und Siegward Sprotte, Unvergessliches Kontrastprogramm

www.aditimangaldasdance.com

OLDENBURG, 8. April 2011

Unvergessliches Kontrastprogramm

Festival Oldenburger Tanztage mit indischer Choreografin und Deutschbelgierin fortgesetzt

Bild 

BILD: D. Khanna

Zeitgenössischer Tanz aus Indien: Mit drei Choreografien gastierte Aditi Mangaldas im Kleinen Haus

Indische Tänzer gastierten im Kleinen Haus. Caroline Simon tanzte in der Exerzierhalle.

von Reinhard Rakow

Oldenburg - „Panta rhei – alles fließt“, Heraklits Satz von der Verbundenheit aller Dinge ist der Titel eines Gemäldes von Siegward Sprotte, das mit Borstenpinselschwüngen hingeworfene Farbspuren zeigt. Auf Bühnenwandgröße projiziert, gewinnen sie pflanzliche Anmutung; von der Kamera mild bewegt, scheinen sie zu Leben zu erwachen. Sitar, Tablas und Gesang umspielen das Bild, drei Tänzer lassen sich in seinen Sog fallen.

Der zweite Tag der Internationalen Tanztage begann im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters kontemplativ. Die indische Tänzerin und Choreografin Aditi Mangaldas, ihre Drishtikon Dance Foundation, Musiker, Bild und Licht schufen magische Momente in noch lange nachhallender Intensität. „Now Is“ reflektiert die Verwobenheit von Tradition und Moderne, von Ost und West.

Drei Tänzer zitieren Kathak, den klassischen indischen Tanz. Zu einer Knospe verknotet, entfaltet sich die Menschen-Skulptur zeitlupengleich. Klarheit und Anmut besiegen die Zeit. Ab und zu kommt ein Wind auf, der alles rhythmisiert, bald wieder aushaucht, um gleich darauf neu anzuheben, ein hypnotischer Zirkel.

In „Timeless“ herrscht Bewegung vor. Sieben exzellente Tänzer stieben durcheinander, stampfen zu Sprechgesang und Trommelschlag mit ihren Fußsohlen unpaarige Takte, bilden Gruppen, zerfallen wieder, reiben, stoßen aneinander wie die Glassplitter im Kaleidoskop. Die Tabla schlägt und Nebel wallt, die Tänzer entschwinden im Dunkel: der Schluss einer aufregend dichten Synthese unzähliger Ingredienzien.

Das pure Kontrastprogramm bot die Deutschbelgierin Caroline Simon in der Exerzierhalle. Radikaler konzipiert als ihr „stück“– so der Titel – ist ein Tanzstück kaum vorstellbar, besorgt sie doch alles selbst: Choreografie, Dramaturgie, Bild, Kostüm, Musik – und natürlich den Tanz. Wie das geht? Indem sie eine Geschichte aus dem gewöhnlichen Alltag und dem des Tanztheaters erzählt und tänzerisch-pantomimisch bebildert: „Lebensfreude, Einsamkeit, langes Bein, langes Bein, Sprung und . . . Spagat!“. Sie gibt den Partner und den Pas de deux, die Laserstrahlen und Beethovens Neunte, und als sie den großen Scheinwerfer (im Schlafzimmer!) endlich anschalten will, geht das Licht im Saal aus. Ihre Geschichte ist so ernst und komisch zugleich, und sie lebt sie so anrührend vor, dass der Zuschauer sich unmöglich entziehen kann.

Vielfalt zeichne die Tanztage aus, meinte Festivalleiter Honne Dohrmann in seiner Begrüßung. Bei den Beifallsstürmen, die sich an beiden Spielstätten erhoben, war der Befund wohl deutlich untertrieben. „Unvergessliche Aufführungen“ wäre auch in Ordnung gegangen.

 

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